Archiv der Kategorie: Buch im Test

»Farbmaus Hamburg« stellt Bücher rund um tierische Themen vor.

Farbmaus Hamburg testet: Meine Rennmaus zu Hause

Wer sich Mäuse anschaffen möchte, hat nicht nur freie Auswahl in Sachen Mäuseart. Auch Informationslektüren stehen dem werdenden Mäusehalter in Massen zur Verfügung. Meine Rennmaus zu Hause ist eine davon. Farbmaus Hamburg stellt das Rennmaus-Fachbuch vor und erläutert Vor- und Nachteile des kleinen Schmuckstücks.

Meine Rennmaus zu Hause
Meine Rennmaus zu Hause

Bunte Mäuselektüre

Erschienen ist das 64-seitige Kurzwerk Meine Rennmaus zu Hause 2007 im Verlag bede bei Ulmer. 2013 erschien eine überarbeitete Auflage des Softcover-Buches: Neues Design, neuer Inhalt, neue Infos auf dem aktuellen Stand der Rennmaus-Wissenschaft. So zeigt sich mir ein zeitgemäßes, buntes Design. Die Kapitel sind verschiedenfarbig gestaltet, was für einen besseren Überblick sorgt. Schnell finde ich, was ich suche.

Inhaltlich befasst sich Meine Rennmaus zu Hause mit der gesunden Ernährung, mausgerechter Beschäftigung, dem Mäusekörper und der Gesundheit von Mr. und Miss. Maus. Hier finde ich endlich mal ein Fachbuch, das ordentlich, kurz und präzise über die bekanntesten Themen der Rennmausgesundheit informiert.

Einblick in die Welt der Mongolischen Rennmaus

Bevor ich in die Welt der Rennmaus zu Hause einsteige, berichtet die Autorin Madlen Wendt mir von der wildlebenden Mongolischen Rennmaus. Kurzweilig und spannend sind ihre Texte, manchmal etwas holprig formuliert, aber stets verständlich. Ich kann mich über den Körperbau und die Sinnesorgane der Mongolen schlau machen – und zwar in einer Form, die über das Geplänkel aus anderen kleineren Mausliteraturstücken hinausgeht. Die Frau weiß, worüber sie schreibt. Natürlich bleibt nicht unerwähnt, dass der durchschnittliche deutsche Mäusehalter die aufgeweckten Mongolen als »Wüstenrennmäuse« bezeichnet. Nun ja …

In Sachen Pflege, Haltung und Ernährung wird ebenso anschaulich erklärt, worauf es in der artgerechten Rennerhaltung ankommt. Die richtige Handhabung eines Mongolen lerne ich dank des Buches beispielsweise schnell.

Weniger überzeugend ist die angegebene Gehegemindestgröße von 80 x 40 cm. Auch wird die Haltung von Gruppen mit bis zu sechs Tieren vorgeschlagen. In freier Wildbahn leben Mongolen in großen Familienverbänden. Bei den domestizierten Mongolischen Rennmäusen jedoch werden Gruppen ab drei Tieren schnell instabil. Es kommt zu blutigen, mitunter tödlich verlaufenden Auseinandersetzungen.

Da beißt die Maus keinen Faden ab

Woher bezieht die Autorin Madlen Wendt ihre Informationen über Mongolische Rennmäuse? Die Frage ist schnell beantwortet: Madlen Wendt ist eine seriöse Rennmaus-Züchterin. Vermutlich aus diesem Grund werden lediglich Züchter und (zertifizierte) Zoohandlungen als Renner-Anschaffungsmöglichkeiten beworben – und über den grünen Klee gelobt. Über Rennmauszucht informiert ein ganzes Kapitel. Eine kritische Auseinandersetzung mit Zucht und Tierverkauf suche ich jedoch vergebens. Dafür finde ich Textwiederholungen, die zugunsten transparenter Informationsweitergabe hätten gestrichen werden können.

Die oft von Mongolischen Rennmäusen überfluteten Tierheime, Tierschutzvereine und Nothilfen bleiben nämlich gänzlich unerwähnt. In meinen Augen ist das ein großer Minuspunkt in einer Gesellschaft, die regelrecht geil auf Zwischendurchkäufe in Zoohandlungen und dem Prestigeobjekt besondersfarbige Zuchtmaus ist.

Auch für Problemlösungen soll sich der geneigte Leser an Rennmauszüchter wenden – ein bisschen viel Werbung für Rennmauszucht auf nur 64 Seiten Mäuselektüre. Zudem spricht die Autorin Madlen Wendt stets vom »Mäusekauf«. Mir persönlich tut der Kapiteltitel »Der Kauf von Rennmäusen« in der Seele weh. Ein Lebewesen »kauft« man nicht. Es gibt ausreichend Synonyme, die dem werdenden Mäusehalter in einem Wort erklären, dass die Mäuseanschaffung Verantwortung mit sich bringt.

In kurzweiligen Kapiteln informiert Meine Rennmaus zu Hause über artgerechte Rennmaushaltung: Geschichte, Körperbau, Ernährung, Haltung, Gesundheit und Beschäftigung werden erläutert. Viele Farbfotos begleiten durch das übersichtlich strukturierte Fachbuch. Einige Informationen wie Anschaffung, Gehege-Mindestgrößen und die Gruppenzusammensetzungen Mongolischer Rennmäuse haben Optimierungsbedarf. Da die Autorin aus der Züchterriege kommt, fehlt es der Lektüre an Transparenz. Die Schattenseiten von Zucht, Vermehrung und Zoohandel werden verschwiegen. Insgesamt ist Meine Rennmaus zu Hause eine hilfreiche Einstiegslektüre für Renner-Anfänger, solange sie weitere Quellen zum Informationsvergleich hinzuziehen.

Online reinlesen in Meine Rennmaus zu Hause

Meine Rennmaus zu Hause

Meine Rennmaus zu Hause

Autorin: Madlen Wendt
Seiten: 64, komplett farbig, 98 Farbfotos
Verlag: bede bei Ulmer, 2. Auflage 2013
ISBN: 978-3-8001-7958-9.
EUR: € (D) 7,95
Meine Rennmaus zu Hause bei Ulmer

Farbmaus Hamburg testet Katzencomics: Chi’s Sweet Home

Ich bin verliebt! In die kleine Katze Chi, die bei Familie Yamada spannende Katzenabenteuer erlebt. Mit zwei je 104 Episoden langen Zeichentrick-Staffeln und bislang neun Comic-Bänden ist Chi’s Sweet Home nicht nur in Japan erfolgreich. Band 1 liegt bei meinem Tierarzt im Wartezimmer aus. Das freut nicht nur die kleinen Wartenden dort. heute erzähle ich ein bisschen von der kleinen Chi. Vielleicht erobert sie ja auch euer Herz?

Chi's Sweet Home
Chi’s Sweet Home

Beim Spielen finden Yohei Yamada und seine Mutter ein verwaistes Kätzchen. Kurz entschlossen nehmen sie das knapp drei Monate alte Knäuel mit nach Hause, um es an einen netten Katzenfreund zu vermitteln. Schnell schließt die Familie das süße Wesen ins Herz, und so ist schon bald nicht mehr an eine Vermittlung zu denken. Papa, Mama und Sohnemann beschließen, das Findelkind zu adoptieren.

Fortan erlebt das junge Kätzchen spannende Alltagsabenteuer im Hause der Yamadas. Ob erste Toilettenerfahrungen, beängstigende Tierarztbesuche, oder die Begegnung mit Nachbars riesigem schwarzem Kater – die ganze Welt wartet nur darauf, von Chi entdeckt zu werden! Doch auch in dieser heilen Welt droht Gefahr, denn in der Mietwohnung, die die Yamadas bewohnen, sind Haustiere streng verboten!

Yohei begegnet einem Kätzchen
Yohei begegnet einem Kätzchen

Warum heißt das Kätzchen »Chi«?

»Chi«, das ist japanisch und bedeutet »klein«, »niedlich«, »putzig«. Doch hier, soviel sei verraten, ist etwas anderes gemeint. Das Wort verwenden die Kleinsten unter den Japanern, da es umgangssprachlich auch »Pipi« bedeutet. So läuft der kleine Yohei des Öfteren »Chi! « rufend in Richtung Toilette, um ein nahendes Unglück zu verhindern. Das ihm neugierig folgende Kätzchen glaubt alsbald, so von ihm gerufen zu werden. Der Augenblick, in dem Familie Yamada erkennt, dass Chi glaubt, Chi zu heißen, ist einer der süßesten Momente der Manga-Geschichte.

Am 22. November 2004 startete Konami Kanatas vollfarbige Manga-Reihe Chi’s Sweet Home in Kodanshas Manga-Magazin Morning. Schnell wuchs die süße, grau getigerte Protagonistin von mittlerweile neun Taschenbüchern zum Publikumsliebling heran. Chi-Merchandise überschwemmte die Läden, ein Nintendo-DS-Spiel für kleine und große Katzenfans kam auf den Markt. Im März 2008 erblickte die erste Zeichentrick-Umsetzung das Licht der TV-Welt. In perfekter Sandmännchenlänge erhielt der Zuschauer drei Minuten Episoden-Abenteuer. Insgesamt 104 Folgen verzeichnet die erste Staffel. Wie auch der Anime ist der ihm vorangehende Manga aus der Feder einer wahren Katzenkennerin und -Liebhaberin sowohl für Kinder ab sieben Jahren als auch fürs erwachsene Publikum bestens geeignet.

Chi's Sweet Home ist ein Comic für Kinder ab sieben Jahren.
Kätzchen Chi lernt die Katzenklappe kennen. Versteht man auch, ohne Japaner zu sein, oder? 😉

Die Zeichnungen

Kanata-sensei stilisiert ihr Schmusetier in einfachen Bildern. Neben der ulkigen Handlung sorgt vor allem dieses simple Character-Design für viele Lacher. Schon ab der ersten Seite beginnt man, Story, Figuren und Zeichenstil zu lieben. In simpel gestalteten Panels lässt Konami Kanata ihr Kätzchen mit sparsam eingesetzten Outlines durch eine abenteuerliche Alltagswelt aus Aquarellen toben. Während Chi neue Dinge wie Treppen, Hunde oder Schuhe entdeckt, bleibt kein Auge der Rührung trocken und dank vieler Gag-Einlagen niemand von Lachsalven verschont.

Ähnlich der international berühmten Simon’s Cat-Animationen wirkt auch die Protagonistin in Chi’s Sweet Home so realistisch, dass jeder Dosenöffner seinen Liebling sofort in den Bildern wiederfindet. Wer selber schon Mal ein Katzenbaby aufwachsen sehen durfte, der wird von Kanatas Zeichnungen nicht mehr lassen können.

Katzen-Comic für kleine und große Katzen-Fans

Auch allen anderen sei Chi’s Sweet Home unbedingt ans Herz gelegt. Schlagt ihr den Manga auf, wollt ihr eigentlich nur noch eines tun: die kleine Chi mal so richtig durchknuddeln. Dass ein Katzenkind aber nicht immer in Schmuselaune ist, beweist Klein-Chi realitätsgetreu auch mal durch schmerzhaftes Krallenwetzen. Überhaupt ist die süße Maus – äh, Katze – so liebenswert, wie kaum ein anderer Comic-Tiger. Mit Kinderaugen entdeckt sie ihre Welt, lernt fremde Artgenossen kennen und auch mit den Problemen einer Familie umzugehen, die sich (noch) nicht gut mit der Katzenhaltung auskennt.

Zum Unverständnis zahlreicher Fans interessiert sich kein deutscher Verlag für die Rechte an Chi’s Sweet Home. Hiesige Manga- und Katzenliebhaber brauchen dennoch nicht auf Chi zu verzichten. Der New Yorker Verlag Vertical (u.a. No Longer Human) veröffentlicht den Comic seit 2010 in englischer Sprache. Da sich der Manga in den USA an Kinder ab sieben Jahren richtet, sind die Dialoge entsprechend simpel gehalten. Vertical veröffentlicht Chi’s Sweet Home in westlicher Leserichtung, wodurch auch jene, die mit Manga bislang nichts am Hut hatten, beruhigt zugreifen können.

Die erste Folge der Zeichentrickserie Chi’s Sweet Home:

Fazit: Konami Kanatas Manga-Reihe Chi’s Sweet Home ist ein Comic für jedermann. Egal ob Manga-Leser, Katzen-Liebhaber oder Kinderbuch-Schmökerer: Jeder verfällt der kleinen Frohnatur Chi im Handumdrehen. Das simple Artwork der komplett farbigen Alltagsabenteuer machen den Comic sowohl für Kids ab sieben Jahren als auch für erwachsene Leser verständlich. An Dramatik und Humor mangelt es ebenfalls nicht. Dank des US-Verlags Vertical kommen auch westliche Leser in den englischsprachigen Genuss der heiteren Geschichten um die kleine Chi und ihrer Adoptiv-Familie Yamada. Gebt der kleinen Herzensbrecherin unbedingt eine Chance und werft einen Blick in Chi’s Sweet Home!

Bild-Copyright:
© 2010 Konami Kanata. All rights reserved.
© 2004 by Kodansha, Ltd., Tokyo
© 2010 by Vertical, Inc.